Die Untersuchung von Eiskernen Klima-Phänomene zu verstehen, hat sich zu einem Eckpfeiler der Paläoklimaforschung entwickelt. Diese tief in Gletschern und Eiskappen gebohrten Zylinder aus Eis sind wie Zeitkapseln, die über Jahrtausende hinweg Informationen über die Zusammensetzung der Atmosphäre, Temperaturen und Umweltbedingungen bewahrt haben. Besonders die tropischen Gletscher der Anden, darunter Quelccaya in Peru und Sajama in Bolivien, liefern eigenständige Einblicke in die Klimageschichte der letzten 1500 Jahre und länger.
- Eiskerne bewahren Klimadaten über bis zu 800.000 Jahre (Antarktis) und 128.000 Jahre (Grönland).
- Der Quelccaya-Eiskern in Peru, gebohrt von Lonnie Thompson, liefert 17 Meter umfassende Daten der letzten 1500 Jahre.
- Sauerstoffisotope (δ18O) dienen als präziser Temperatur-Proxy in den Eiskernanalysen.
- Eingeschlossene Luftblasen in den Eiskernen ermöglichen die direkte Messung von Treibhausgasen wie CO2.
- Asche-Lagen in Eiskernen sind Indikatoren für vergangene Vulkanausbrüche und deren Klimaeffekte.
Was sind Eiskerne Klima?

Eiskerne sind zylindrische Proben von Eis, die durch Bohren in Gletschern, Eisschilden oder Eiskappen gewonnen werden. Sie stellen ein eigenständiges Klimaarchiv dar, da sich Schnee über Jahrtausende hinweg Schicht für Schicht ablagert und zu Eis komprimiert wird. Dabei werden Luftblasen und Verunreinigungen wie Staub, Pollen oder vulkanische Asche eingeschlossen. Diese Einschlüsse sind Momentaufnahmen der Atmosphäre und Umweltbedingungen zum Zeitpunkt ihrer Ablagerung und ermöglichen es Forschenden, die Eiskerne Klima-Informationen zu nutzen, um die Klimageschichte der Erde zu rekonstruieren.
📜 Forschung und Einordnung

Die paläoklimatische Forschung mittels Eiskernen ist ein etabliertes Feld, das kontinuierlich durch neue Bohrungen und Analysemethoden verfeinert wird. Die gewonnenen Daten sind entscheidend für das Verständnis langfristiger Klimatrends und aktueller Veränderungen.
Die Analyse von Eiskernen hat gezeigt, dass die aktuellen Treibhausgaskonzentrationen die natürlichen Schwankungsbereiche der letzten 800.000 Jahre bei Weitem übersteigen. Offene Fragen betreffen die genaue Quantifizierung regionaler Klimaeffekte und die präzise Modellierung von Kipppunkten im Klimasystem.
Grundlagen der Eiskernanalyse

Die Gewinnung und Analyse von Eiskernen ist ein aufwendiger Prozess. Spezialisierte Bohrgeräte entnehmen die Eiszylinder, die anschließend unter streng kontrollierten Bedingungen gelagert und transportiert werden müssen, um eine Kontamination oder ein Schmelzen zu vermeiden. Im Labor werden die Kerne in Scheiben geschnitten und auf verschiedene Parameter untersucht.
Ein zentraler Indikator für vergangene Temperaturen ist das Verhältnis der stabilen Sauerstoffisotope δ18O. Wasser, das das leichtere Isotop Sauerstoff-16 enthält, verdunstet bei kälteren Temperaturen bevorzugt. Bei höheren Temperaturen verdunstet mehr des schwereren Isotops Sauerstoff-18. Diese Schwankungen im Verhältnis von Sauerstoff-18 zu Sauerstoff-16 im Eis geben Aufschluss über die globalen oder regionalen Temperaturen zum Zeitpunkt der Schneefallbildung. Ähnliche Analysen werden auch mit Deuterium (δD) durchgeführt.
Die in den Eiskernen eingeschlossenen Luftblasen sind direkte Proben der historischen Atmosphäre. Durch deren Analyse können Wissenschaftler die Konzentrationen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) über Hunderttausende von Jahren zurückverfolgen. Diese Daten sind entscheidend, um den Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und Klimaveränderungen zu verstehen und die aktuellen, anthropogenen Emissionen in einen historischen Kontext zu stellen. Die Eiskerne der Antarktis reichen hier bis zu 800.000 Jahre zurück.
δ18O (Delta-O-18) ist ein Maß für das Verhältnis der stabilen Sauerstoffisotope 18O zu 16O in einer Probe. Es wird in Promille (‰) relativ zu einem Standard (Vienna Standard Mean Ocean Water, VSMOW) angegeben.
Dieses Verhältnis ist temperaturabhängig, da bei Verdunstung und Kondensation eine Fraktionierung stattfindet. So dient δ18O in Eiskernen als wichtiger Proxy für die Rekonstruktion vergangener Temperaturen.
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Paläoklimatologie – Rekonstruktion von Temperaturen und Niederschlag•
Ozeanographie – Untersuchung von Meerwassertemperaturen und Eisvolumen•
Hydrologie – Verfolgung von Wasserkreisläufen und Grundwasserbewegungen
Die Datierung von Eiskernen erfolgt durch die Kombination verschiedener Methoden, die sich gegenseitig ergänzen und verifizieren, um eine präzise Chronologie zu gewährleisten.
Die einfachste Methode ist das Zählen der jährlichen Schneeschichten. Diese können optisch durch saisonale Unterschiede in Staubkonzentration, Isotopenverhältnissen oder chemischen Signaturen (z.B. Säuregehalt) identifiziert werden.
Für tiefere, ältere Eisschichten werden Eisflussmodelle und die Korrelation mit anderen Klimaarchiven (z.B. marine Sedimentkerne, astronomische Zyklen) verwendet. Vulkanische Aschelagen dienen als wichtige Zeitmarker.
Die jährliche Schichtzählung ist in den oberen, weniger komprimierten Eisschichten sehr präzise, wird aber mit zunehmender Tiefe und Alter unsicherer, da die Schichten dünner werden und sich vermischen. Hier kommen physikalische Modelle und externe Zeitmarker zum Einsatz, um die Chronologie zu erweitern und zu verfeinern.
Eiskerne Klima in der Archäologie Amerikas
Die Gletscher der Anden sind von unschätzbarem Wert für die Rekonstruktion der Klimageschichte Südamerikas und spielen eine wichtige Rolle für das Verständnis präkolumbischer Kulturen. Sie liefern hochauflösende Eiskerne Klima-Daten, die regionale Klimamuster abbilden, die sich von den polaren Archiven unterscheiden.
Weiterführend: El Niño und der Kollaps der Moche-Kultur · Postklassik Klima: Wie Dürren Maya-Zentren zum Kollaps trieben
Genauigkeit und Grenzen der Eiskernanalyse
Die Datierung von Eiskernen ist in den oberen Schichten, wo jährliche Lagen noch gut erkennbar sind, sehr präzise. Mit zunehmender Tiefe und Alter des Eises nimmt die Genauigkeit jedoch ab, da der Druck die Eisschichten komprimiert und die Jahreslagen schwerer zu unterscheiden sind. Für diese tieferen Schichten werden komplexe Eisflussmodelle und die Korrelation mit anderen Klimaarchiven herangezogen.
Bayessche Modellierung: Aus Einzeldaten wird eine Chronologie
In der modernen Paläoklimatologie, insbesondere bei der Datierung von Eiskernen, spielt die bayessche Modellierung eine immer wichtigere Rolle. Sie ermöglicht es Forschenden, mehrere Datensätze und Kontextinformationen (z.B. stratigraphische Reihenfolgen oder bekannte vulkanische Ereignisse) zu kombinieren, um präzisere und robustere Chronologien zu erstellen, als es mit Einzeldatierungen möglich wäre.
Softwarepakete wie OxCal (entwickelt an der University of Oxford) sind zu Standardwerkzeugen geworden, um solche bayesschen Modelle zu berechnen. Sie nutzen statistische Wahrscheinlichkeiten, um die Unsicherheiten einzelner Datierungen zu reduzieren und aus einer Vielzahl von Proben eine kohärente Zeitlinie zu konstruieren, die der Realität näherkommt.
Für die Archäologie Amerikas bedeutet dies, dass Ereignisse wie Dürren oder Perioden erhöhter Vulkanaktivität, die in den Eiskernen dokumentiert sind, wesentlich präziser mit archäologischen Befunden und historischen Aufzeichnungen (z.B. der Maya-Schrift) korreliert werden können. Dies ermöglicht ein tieferes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Klima und menschlicher Zivilisation.
Hintergrund und Geschichte der Eiskernforschung
Die moderne Eiskernforschung begann in den 1950er Jahren mit den ersten systematischen Bohrungen in Grönland und der Antarktis. Pionierarbeit leistete dabei unter anderem der amerikanische Glaziologe Lonnie Thompson (geb. 1948) von der Ohio State University. Er spezialisierte sich auf die schwierige und gefährliche Arbeit in hochalpinen, tropischen Gletschern, die zuvor weitgehend unerforscht waren. Thompsons Expeditionen zu Gletschern wie Quelccaya in Peru und Sajama in Bolivien führten zu bahnbrechenden Entdeckungen über die Klimageschichte der tropischen Regionen.
Seine Arbeit zeigte, dass diese Gletscher eigenständige Archive für regionale Klimaveränderungen darstellen, die oft von den globalen Mustern der polaren Eisschilde abweichen. Die Daten aus den Anden-Eiskernen haben beispielsweise wichtige Erkenntnisse über die El Niño-Southern Oscillation (ENSO) und ihre Auswirkungen auf die Niederschlagsmuster in Südamerika geliefert. Thompsons Forschung hat maßgeblich dazu beigetragen, das Bewusstsein für die globale Bedeutung der Gletscher als Klimaarchive zu schärfen und die Dringlichkeit ihrer Erhaltung angesichts des Klimawandels hervorzuheben.
| Eiskern-Standort | Region | Maximale Zeitreihe |
|---|---|---|
| Vostok | Antarktis | 420.000 Jahre |
| EPICA Dome C | Antarktis | 800.000 Jahre |
| GRIP / NGRIP | Grönland | 128.000 Jahre |
| Quelccaya | Anden (Peru) | 1.500 Jahre |
| Sajama | Anden (Bolivien) | 25.000 Jahre |
Häufige Fragen
Wie zeigen Eisbohrkerne den Klimawandel?
Eisbohrkerne zeigen den Klimawandel auf verschiedene Weisen. Durch die Analyse der eingeschlossenen Luftblasen können Wissenschaftler direkte Messungen der Treibhausgaskonzentrationen (CO2, Methan) in der Vergangenheit vornehmen. Das Verhältnis von Sauerstoffisotopen (δ18O) im Eis dient als Temperatur-Proxy und erlaubt die Rekonstruktion vergangener Temperaturen. Darüber hinaus geben Schichten von Staub, Pollen und vulkanischer Asche Hinweise auf Umweltveränderungen und extreme Ereignisse. Die Zeitreihen aus Eiskernen belegen einen deutlichen Anstieg der Treibhausgase und Temperaturen, insbesondere in den letzten Jahrhunderten, der die natürlichen Schwankungsbereiche der Eiskerne Klima-Geschichte weit übersteigt.
Wird CO2 in Eiskernen gespeichert?
Ja, CO2 wird in Eiskernen gespeichert. Wenn Schnee über Jahrtausende hinweg zu Eis komprimiert wird, werden winzige Luftblasen zwischen den Schneekörnern eingeschlossen. Diese Luftblasen enthalten eine Probe der Atmosphäre zum Zeitpunkt ihres Einschlusses. Wissenschaftler können diese uralten Luftproben analysieren, um die genaue Konzentration von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre der Vergangenheit zu bestimmen. Diese direkten Messungen sind ein Hauptgrund, warum Eiskerne Klima-Forschung so wertvoll ist, da sie einen unverfälschten Einblick in die atmosphärische Zusammensetzung über Hunderttausende von Jahren bieten.
Wie weit reichen die Daten aus Eiskernen zurück?
Die Reichweite der Daten aus Eiskernen hängt vom Bohrort ab. In der Antarktis, insbesondere am EPICA Dome C, reichen die gewonnenen Klimazeitreihen bis zu 800.000 Jahre zurück. Für Grönland sind es etwa 128.000 Jahre. Tropische Gletscher wie Quelccaya in Peru oder Sajama in Bolivien liefern hochauflösende Daten für die letzten 1.500 bis 25.000 Jahre. Diese unterschiedlichen Zeitspannen ermöglichen es Forschenden, sowohl sehr lange Klimazyklen als auch detaillierte regionale Eiskerne Klima-Entwicklungen zu untersuchen.
Welche Rolle spielen Quelccaya und Sajama in der Klimaforschung?
Die Eiskappen von Quelccaya in Peru und Sajama in Bolivien spielen eine herausragende Rolle in der Klimaforschung, insbesondere für das Verständnis tropischer Klimamuster. Sie sind die einzigen hochauflösenden Eisarchive aus den Tropen und liefern entscheidende Daten über El Niño-Zyklen, Monsunmuster und regionale Dürren. Die von Forschern wie Lonnie Thompson gebohrten Eiskerne Klima-Daten dieser Gletscher haben gezeigt, dass tropische Regionen besonders sensibel auf Klimaveränderungen reagieren. Ihre Analyse ermöglicht die Korrelation von Klimaphänomenen mit dem Aufstieg und Fall präkolumbischer Kulturen in den Anden.
Wer ist Lonnie Thompson in der Eiskernforschung?
Lonnie Thompson (geb. 1948) ist ein preisgekrönter amerikanischer Paläoklimatologe und Glaziologe, bekannt für seine Pionierarbeit bei der Eiskernbohrung in tropischen und subtropischen Gletschern. Er ist Professor an der Ohio State University und hat über viele Jahrzehnte hinweg Expeditionen zu den höchsten und abgelegensten Gletschern der Welt geleitet, darunter Quelccaya und Sajama. Seine Forschung hat entscheidend dazu beigetragen, die globale Klimageschichte zu rekonstruieren und die Dringlichkeit des Klimawandels zu verdeutlichen. Thompsons Arbeit mit Eiskerne Klima-Daten hat das Verständnis für die Rolle tropischer Gletscher als Klimaarchive revolutioniert.
🏁 Fazit: Eiskerne als Fenster in die Klimavergangenheit
Eiskerne sind unverzichtbare Zeugen der Klimageschichte unseres Planeten. Die in ihnen konservierten Informationen ermöglichen es uns, vergangene Temperaturen, atmosphärische Zusammensetzungen und Umweltbedingungen mit beeindruckender Präzision zu rekonstruieren. Die Forschung an Eiskerne Klima-Daten, insbesondere aus den tropischen Gletschern der Anden, liefert entscheidende Hinweise auf natürliche Klimaschwankungen und die beispiellose Geschwindigkeit des aktuellen, anthropogen verursachten Klimawandels. Angesichts des rapiden Gletscherrückgangs ist die Sicherung und Analyse dieser Archive eine globale Priorität für die Wissenschaft.
Quellen & Literatur
- Universität Hamburg: Polare Eiskerne – Archive globaler Klima
- World Ocean Review: Eisbohrkerne: So lesen Forscher im Klimatagebuch des Eises
- CORDIS: Eiskern gibt 800.000 Jahre an Klimadaten preis
- Wikipedia: Eisbohrkern
- Wiener Zeitung: Eiskerne verraten Klimageschichte
- AWI: Eisbohrkerne als Klimaarchiv
- Tagesschau: Wetterthema Eisbohrkerne
- NZZ: Eis aus der Antarktis lässt eine Million Jahre zurückblicken
🔬 Über den Autor: Sandra Vogt – Redaktion · Forschung & Methoden
Wer sich mit Paläoklimaforschung beschäftigt, stößt schnell auf die Bedeutung der Eiskerne Klima-Daten. Die Arbeit von Forschern wie Lonnie Thompson in den Anden hat gezeigt, wie wichtig es ist, auch regionale Archive zu nutzen, um ein umfassendes Bild der Klimageschichte zu erhalten und aktuelle Veränderungen einzuordnen.
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