Die DGSKA Kongresse bilden den zentralen Treffpunkt für Sozial- und Kulturanthropologinnen und -anthropologen in Deutschland. Alle zwei Jahre versammeln sich hier Forschende, um aktuelle Entwicklungen, methodische Herausforderungen und ethische Fragestellungen zu diskutieren. Diese Tagungen sind nicht nur ein Schaufenster für die vielfältige deutsche Ethnologie, sondern auch ein wichtiger Ort für die Standortbestimmung des Faches im globalen Kontext. Besonders brisante Themen wie Decolonizing Methodologies, die Restitution von Kulturgütern und die Ethik der Feldforschung prägen dabei zunehmend die Debatten.
- Die DGSKA Kongresse finden alle zwei Jahre statt und versammeln bis zu 700 Ethnologen.
- Themen der letzten Tagung 2023 waren „Umstrittenes Wissen / Contested Knowledge“.
- Die nächste DGSKA-Tagung 2025 in Köln behandelt „Un/Commoning Anthropology“.
- Ein zentraler Fokus liegt auf der Ethik der Feldforschung und der Restitution von Kulturgütern.
- Der Call for Papers für die Tagung 2025 startete bereits im September 2022.
Was ist die DGSKA?

Die DGSKA (Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie) ist die maßgebliche Fachgesellschaft für Ethnologie in Deutschland. Sie wurde 1929 als Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) gegründet und 2017 umbenannt, um dem Wandel des Faches und der Abkehr von kolonial konnotierten Begriffen Rechnung zu tragen. Die Gesellschaft fördert den wissenschaftlichen Austausch und die Forschung auf dem Gebiet der Sozial- und Kulturanthropologie. Sie ist Herausgeberin der „Zeitschrift für Ethnologie“ und organisiert alle zwei Jahre die zentralen DGSKA Kongresse, die als wichtigstes Forum für die deutsche Ethnologie gelten.
📜 Forschung und Einordnung

Die DGSKA Kongresse spiegeln die dynamische Entwicklung der Sozial- und Kulturanthropologie wider. Sie agieren als zentrale Plattform, um neue Forschungsansätze zu präsentieren und kritische Diskussionen innerhalb des Faches zu führen.
Die aktuelle Forschung konzentriert sich stark auf die dekoloniale Wende in der Ethnologie. Es bleibt jedoch eine Herausforderung, die institutionellen Strukturen und Sammlungsbestände kritisch zu hinterfragen und gleichzeitig neue, inklusive Forschungspraktiken zu etablieren, die über rein theoretische Ansätze hinausgehen.
Themen der DGSKA Kongresse: Von umstrittenem Wissen zu neuen Perspektiven

Die Wahl der Tagungsthemen bei den DGSKA Kongressen spiegelt die intellektuellen Strömungen und gesellschaftlichen Herausforderungen wider, mit denen sich die Sozial- und Kulturanthropologie auseinandersetzt. Die jüngste Tagung 2023 in Leipzig stand beispielsweise unter dem Motto „Umstrittenes Wissen / Contested Knowledge: Ethnologische Perspektiven“ (DGSKA Tagung 2023). Hierbei wurden Fragen der Wissensproduktion, der Objektivität in der Forschung und der Rolle der Ethnologie in gesellschaftlichen Debatten kritisch beleuchtet. Es ging darum, wie Wissen entsteht, wer es legitimiert und welche Machtstrukturen dabei wirken.
Für die bevorstehende DGSKA-Tagung 2025, die vom 29. September bis 2. Oktober in Köln stattfinden wird, lautet das Thema „Un/Commoning Anthropology“ (DGSKA Tagungswebsite). Dieser Titel verweist auf die fortlaufende Diskussion über die Relevanz und Zugänglichkeit ethnologischen Wissens. Es wird hinterfragt, wie Anthropologie als Fach für eine breitere Öffentlichkeit zugänglicher gemacht werden kann, welche Rolle sie in der Vermittlung von „Common Sense“ spielt und wie sie gleichzeitig kritische Perspektiven jenseits des Mainstreams entwickeln kann. Der Call for Papers hierfür startete bereits im September 2022 und lud Forschende ein, ihre Beiträge zu diesem komplexen Themenfeld einzureichen.
| Kongress | Jahr | Ort | Thema |
|---|---|---|---|
| DGSKA-Tagung | 2023 | Leipzig | Umstrittenes Wissen / Contested Knowledge |
| DGSKA-Tagung | 2025 | Köln | Un/Commoning Anthropology |
| DGSKA-Tagung | 2026 | Noch nicht bekannt | Künftige Entwicklungen des Faches |
Aktuelle Debatten: Decolonizing Methodologies und Restitution
Ein immer wichtiger werdender Schwerpunkt bei den DGSKA Kongressen und in der gesamten Ethnologie ist die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit des Faches. Unter dem Begriff „Decolonizing Methodologies“ wird die kritische Überprüfung von Forschungsmethoden, Theorien und institutionellen Praktiken verstanden, die historisch in kolonialen Kontexten entstanden sind. Dies bedeutet, eurozentrische Perspektiven zu hinterfragen und stattdessen indigene oder postkoloniale Wissenssysteme stärker zu berücksichtigen.
Eng damit verbunden ist die Debatte um die Restitution von Kulturgütern. Viele ethnologische Museen in Deutschland verfügen über Sammlungen, die unter kolonialen Bedingungen erworben wurden. Die Frage der Rückgabe dieser Objekte an ihre Herkunftsgesellschaften ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine methodische Herausforderung. Bei den DGSKA Kongressen werden hierzu immer wieder Panels und Workshops angeboten, die sich mit den praktischen und theoretischen Aspekten der Restitution beschäftigen. Dies schließt die Zusammenarbeit mit Herkunftsgemeinschaften und die Entwicklung neuer Formen der Museumsarbeit ein, die auf Dialog und partnerschaftlicher Kooperation basieren. Wer sich mit der Entkolonialisierung von Institutionen auseinandersetzt, stößt schnell auf die Frage, warum die Provenienzforschung hier eine so zentrale Rolle spielt.
Die Ethik der Feldforschung: Eine ständige Herausforderung
Die Feldforschung ist das Herzstück der Sozial- und Kulturanthropologie. Doch gerade hier stellen sich vielfältige ethische Fragen, die bei den DGSKA Kongressen regelmäßig diskutiert werden. Wie kann man sicherstellen, dass die Forschung nicht die Rechte und Interessen der untersuchten Gemeinschaften verletzt? Welche Rolle spielen Machtgefälle zwischen Forschenden und Beforschten? Und wie können Forschungsergebnisse so kommuniziert werden, dass sie nicht zur Stereotypisierung oder Marginalisierung beitragen?
Die „DGSKA Ethik“-Richtlinien bieten hier einen Orientierungsrahmen, werden aber kontinuierlich weiterentwickelt. Aktuelle Diskussionen befassen sich beispielsweise mit Fragen der Datenhoheit, der fairen Teilhabe an Forschungsergebnissen und der Vermeidung von „Extractive Research“, bei der Wissen aus Gemeinschaften entnommen wird, ohne dass diese davon profitieren. Diese Debatten sind essenziell, um die Relevanz und Legitimität der Ethnologie als Wissenschaft zu gewährleisten und Vertrauen in die Forschung aufzubauen. Die Reflexion über die eigene Rolle und die Verantwortung gegenüber den Forschungspartnern bleibt eine Kernaufgabe des Faches.
Berufsperspektiven und Mentoring in der Sozial- und Kulturanthropologie
Neben den inhaltlichen Debatten spielen bei den DGSKA Kongressen auch Fragen der Nachwuchsförderung und der Berufsperspektiven eine wichtige Rolle. Viele Studierende fragen sich, welche „Kulturanthropologie Jobs“ oder „Sozial und Kulturanthropologie Berufe“ ihnen nach dem Studium offenstehen. Die Fachgesellschaft reagiert darauf mit spezifischen Angeboten.
Das „DGSKA Mentoring“-Programm ist ein Beispiel dafür, wie der wissenschaftliche Nachwuchs unterstützt wird. Erfahrene Forschende begleiten jüngere Kolleginnen und Kollegen beim Einstieg in die akademische Welt, bei der Entwicklung von Forschungsprojekten oder bei der Karriereplanung außerhalb der Universität. Die Kongresse bieten zudem Foren, in denen sich Studierende und Promovierende vernetzen und über ihre Erfahrungen austauschen können. Dies ist besonders wichtig, da die Wege in Berufsfelder wie Museen, Kulturmanagement, Entwicklungszusammenarbeit, Medien oder die politische Beratung oft vielfältig und nicht immer geradlinig sind. Die DGSKA Kongresse leisten hier einen wichtigen Beitrag zur Orientierung und zum Aufbau beruflicher Netzwerke.
Häufige Fragen
Wann und wo finden die nächsten DGSKA Kongresse statt?
Die nächste DGSKA-Tagung ist für den Zeitraum vom 29. September bis 2. Oktober 2025 in Köln geplant. Sie wird an der Universität zu Köln ausgerichtet und steht unter dem Thema „Un/Commoning Anthropology“. Aktuelle Informationen zur Anmeldung und zum Programm finden Sie auf der offiziellen Tagungswebsite der DGSKA.
Was ist „Decolonizing Methodologies“ im Kontext der DGSKA Kongresse?
„Decolonizing Methodologies“ bezieht sich auf die kritische Überprüfung und Neuausrichtung ethnologischer Forschungsmethoden und Theorien, die historisch in kolonialen Kontexten entstanden sind. Ziel ist es, eurozentrische Perspektiven zu überwinden und stattdessen postkoloniale und indigene Wissenssysteme stärker in die Forschung einzubeziehen. Diese Debatte ist ein zentrales Thema auf den DGSKA Kongressen.
Welche Rolle spielt die Ethik der Feldforschung auf den DGSKA Kongressen?
Die Ethik der Feldforschung ist ein fortlaufend diskutiertes Thema bei den DGSKA Kongressen. Es geht darum, die Rechte und Interessen der Forschungspartner zu schützen, Machtgefälle zu reflektieren und die faire Teilhabe an Forschungsergebnissen sicherzustellen. Die DGSKA bietet hierzu Richtlinien und Diskussionsforen an, um ethische Standards kontinuierlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Welche Berufsperspektiven bietet ein Kulturanthropologie Studium?
Ein Studium der Sozial- und Kulturanthropologie eröffnet vielfältige Berufsperspektiven. Absolventen arbeiten häufig in Museen, im Kulturmanagement, in der Entwicklungszusammenarbeit, in Nichtregierungsorganisationen, in den Medien, in der politischen Beratung oder in der Markt- und Meinungsforschung. Die DGSKA Kongresse bieten spezielle Formate zur Orientierung und Vernetzung für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Gibt es ein Mentoring-Programm der DGSKA?
Ja, die DGSKA bietet ein Mentoring-Programm an, um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen. Erfahrene Mitglieder der Gesellschaft begleiten jüngere Kolleginnen und Kollegen bei ihrer akademischen und beruflichen Entwicklung. Dieses Programm ist eine wichtige Ressource für Studierende und Promovierende, die Orientierung und Unterstützung im komplexen Feld der Ethnologie suchen.
🏁 Fazit: DGSKA Kongresse als Motor der Ethnologie
Die DGSKA Kongresse sind unverzichtbare Foren für die deutsche Sozial- und Kulturanthropologie. Sie ermöglichen nicht nur den Austausch über aktuelle Forschungsergebnisse, sondern treiben auch die kritische Selbstreflexion des Faches voran. Indem sie sich Themen wie Decolonizing Methodologies, Restitution und Feldforschungsethik widmen, tragen sie maßgeblich zur Weiterentwicklung einer verantwortungsvollen und gesellschaftlich relevanten Ethnologie bei. Die regelmäßigen Treffen stärken zudem die Vernetzung innerhalb der Fachgemeinschaft und eröffnen dem wissenschaftlichen Nachwuchs wichtige Perspektiven.
Quellen & Literatur
- DGSKA – Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie
- DGSKA Tagungswebsite (Aktueller Kongress 2025)
- DGSKA Tagung 2023 – Umstrittenes Wissen / Contested Knowledge
- DGSKA – Übersicht vergangener Tagungen
- Universität zu Köln – Institut für Ethnologie (Ausrichter DGSKA Tagung 2025)
🔬 Über den Autor: Sandra Vogt – Redaktion · Forschung & Methoden
Wer sich mit der Wissenschaftsgeschichte der Ethnologie beschäftigt, erkennt schnell, wie sehr Fachgesellschaften wie die DGSKA den Diskurs prägen. Die Auseinandersetzung mit „Decolonizing Methodologies“ auf den DGSKA Kongressen zeigt, wie lebendig und selbstkritisch die deutsche Forschung sein kann, wenn sie sich ihren eigenen Grundlagen zuwendet.
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