Die Six Nations der Haudenosaunee, oft auch als Irokesen-Konföderation bezeichnet, stellen eine der ältesten und beständigsten indigenen Allianzen Nordamerikas dar. Ihre Geschichte reicht Jahrhunderte zurück, doch auch heute prägen sie das kulturelle und politische Leben in ihren Territorien in New York und Ontario. Mit rund 125.000 Mitgliedern bewahren die Haudenosaunee (was „Menschen des Langhauses“ bedeutet) ihre eigenständige Identität und treten für ihre Souveränität ein, unter anderem durch eigene Pässe und ein international anerkanntes Lacrosse-Team.
- Die Six Nations umfassen rund 125.000 Mitglieder in den USA und Kanada.
- Ihre Territorien befinden sich in New York (USA) und Ontario (Kanada).
- Die Haudenosaunee stellen eigene Pässe aus und betreiben ein internationales Lacrosse-Team.
- Die Konföderation besteht aus den Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga, Seneca und Tuscarora.
- Lacrosse gilt als traditionelles Spiel und wird zur Stärkung der kulturellen Identität genutzt.
Was ist Six Nations?

Die Six Nations, auch bekannt als Haudenosaunee-Konföderation, sind ein Bündnis von ursprünglich fünf, später sechs indigenen Völkern Nordamerikas. Diese Völker – die Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga, Seneca und Tuscarora – haben sich zu einem politischen und kulturellen Bund zusammengeschlossen, der auf dem Prinzip des Großen Gesetzes des Friedens (Great Law of Peace) basiert. Heute leben die Mitglieder der Six Nations in verschiedenen Gemeinschaften, primär in den US-Bundesstaaten New York und im kanadischen Ontario. Ihre Selbstverwaltung und die Pflege ihrer indigenen Sprachen und Traditionen sind zentrale Aspekte ihrer modernen Existenz.
📜 Forschung und Einordnung

Die Haudenosaunee-Forschung hat sich von ethnografischen Beschreibungen hin zu Studien entwickelt, die indigene Perspektiven und moderne politische Kämpfe stärker berücksichtigen. Die Komplexität der Six Nations als historischer und zeitgenössischer Akteur bleibt ein zentrales Thema.
Die aktuelle Forschung betont die Notwendigkeit, indigene Stimmen und Selbstzeugnisse stärker in die Geschichtsschreibung und Analyse einzubeziehen. Insbesondere die komplexen Beziehungen zu den umgebenden Nationalstaaten und die inneren Dynamiken der Konföderation sind Gegenstand fortlaufender Studien. Offene Fragen betreffen die zukünftige Entwicklung der indigenen Gesetzgebung und die Anerkennung internationaler Rechte für die Six Nations.
| Stamm | Traditionelles Gebiet | Heutige Präsenz |
|---|---|---|
| Mohawk | Östliches New York | New York, Quebec, Ontario |
| Oneida | Zentrales New York | New York, Wisconsin, Ontario |
| Onondaga | Südliches New York | New York, Ontario |
| Cayuga | Zentrales New York | New York, Ontario, Oklahoma |
| Seneca | Westliches New York | New York, Oklahoma |
| Tuscarora | New York, North Carolina | New York, Ontario |
Territorien und Reservate der Six Nations

Haudenosaunee-Pässe und internationale Souveränität
Ein bemerkenswertes Merkmal der modernen Six Nations ist ihre Bestrebung nach internationaler Souveränität, die sich unter anderem in der Ausstellung eigener Haudenosaunee-Pässe manifestiert. Diese Pässe sind nicht bloße Symbole; sie werden von einer Reihe von Staaten weltweit als gültige Reisedokumente anerkannt. Die Geschichte dieser Pässe reicht zurück bis ins Jahr 1923, als ein Mohawk-Häuptling namens Deskaheh mit einem solchen Pass nach Europa reiste, um die Rechte der indigenen Völker vor dem Völkerbund zu vertreten. Heute nutzen Mitglieder der Six Nations ihre Pässe, um international zu reisen, oft im Kontext von Sportveranstaltungen oder kulturellem Austausch. Dies unterstreicht ihren Anspruch auf Selbstbestimmung und die Anerkennung als eigenständige politische Einheit. Die Anerkennung der Pässe ist zwar nicht universell, doch die Praxis selbst sendet eine starke Botschaft über die anhaltende Souveränität und die kulturelle Identität der Haudenosaunee. Sie verdeutlicht, dass indigene Völker nicht nur historische Entitäten sind, sondern lebendige politische Akteure auf der globalen Bühne.Lacrosse als kulturelles und sportliches Erbe
Für die Six Nations ist Lacrosse weit mehr als nur ein Spiel; es ist ein integraler Bestandteil ihrer Kultur, Spiritualität und Geschichte. Traditionell als „Das Spiel des Schöpfers“ bekannt, diente Lacrosse dazu, Konflikte ohne Blutvergießen zu lösen, Kranke zu heilen und die Gemeinschaft zu stärken. Die Ursprünge des Spiels lassen sich Jahrhunderte zurückverfolgen, und es wird bis heute mit großer Leidenschaft praktiziert. Die Haudenosaunee haben Lacrosse nicht nur bewahrt, sondern auch international bekannt gemacht. Ihr eigenes nationales Lacrosse-Team, das Iroquois Nationals Lacrosse Team (offiziell Haudenosaunee Nationals), nimmt an internationalen Wettbewerben teil. Es ist das einzige indigene Team, das von der World Lacrosse, dem internationalen Dachverband, als souveräne Nation anerkannt wird. Diese Anerkennung ermöglicht es den Haudenosaunee Nationals, bei Weltmeisterschaften unter ihrer eigenen Flagge anzutreten. Dies ist ein kraftvolles Statement ihrer kulturellen Identität und ihres politischen Anspruchs auf Souveränität. Spieler der Six Nations dominieren oft die Top-Ligen des Sports, sowohl in Kanada als auch in den USA, und tragen so ihr kulturelles Erbe in die moderne Sportwelt hinaus.Wirtschaftliche Aktivitäten und Herausforderungen
Die Gemeinschaften der Six Nations engagieren sich in verschiedenen wirtschaftlichen Aktivitäten, um ihre Selbstständigkeit zu fördern und die Lebensqualität ihrer Mitglieder zu verbessern. Dazu gehören Betriebe im Einzelhandel, in der Landwirtschaft und im Baugewerbe. Insbesondere im Six Nations of the Grand River Territory in Ontario gibt es eine wachsende Anzahl von Unternehmen, die von Haudenosaunee-Mitgliedern geführt werden und sowohl die lokale Wirtschaft stärken als auch Arbeitsplätze schaffen. Trotz dieser Fortschritte stehen die Six Nations vor erheblichen Herausforderungen. Dazu gehören die Auseinandersetzung um Landrechte und die Bewahrung ihrer traditionellen Territorien, die oft von Infrastrukturprojekten oder Rohstoffgewinnung bedroht sind. Die Beziehungen zu den kanadischen und US-amerikanischen Regierungen sind komplex und von historischen Verträgen sowie modernen Verhandlungen geprägt. Bildung, Gesundheitsversorgung und die Bewahrung indigener Sprachen sind weitere Bereiche, in denen die Six Nations kontinuierlich um Autonomie und angemessene Ressourcen kämpfen. Die Konföderation arbeitet daran, ihre traditionellen Regierungsstrukturen zu stärken und die kulturelle Weitergabe an zukünftige Generationen zu sichern.Häufige Fragen
Was sind die Six Nations der Haudenosaunee?
Die Six Nations sind eine Konföderation von sechs indigenen Völkern (Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga, Seneca, Tuscarora), die ursprünglich im Nordosten Nordamerikas beheimatet waren. Sie bilden eine der ältesten und bekanntesten indigenen Allianzen. Ihr Name „Haudenosaunee“ bedeutet „Menschen des Langhauses“ und bezieht sich auf ihre traditionelle Wohnform und ihre politische Struktur. Sie sind bekannt für ihr „Großes Gesetz des Friedens“, das die Grundlage ihrer Konföderation bildet und oft als Inspiration für demokratische Prinzipien in der Region diente.
Wo leben die Six Nations heute?
Die Mitglieder der Six Nations leben heute hauptsächlich in Reservaten und Territorien im US-Bundesstaat New York und in der kanadischen Provinz Ontario. Zu den wichtigsten Gemeinschaften in New York gehören die Seneca Nation of Indians (Cattaraugus, Allegany) und die Onondaga Nation. In Ontario ist das Six Nations of the Grand River Territory die größte und bevölkerungsreichste Gemeinschaft der Haudenosaunee, die alle sechs Stämme der Konföderation umfasst. Diese geografische Verteilung spiegelt die historischen Wanderungen und die Auswirkungen der Kolonialisierung wider.
Warum sind die Six Nations im Lacrosse so wichtig?
Lacrosse ist für die Six Nations von zentraler kultureller und spiritueller Bedeutung, da es als „Das Spiel des Schöpfers“ gilt. Es wird nicht nur als Sport betrieben, sondern auch zur Stärkung der Gemeinschaft und zur Heilung. Die Six Nations haben ein eigenes Nationalteam, die Haudenosaunee Nationals, das als einziges indigenes Team von der World Lacrosse als souveräne Nation anerkannt wird. Diese Anerkennung ermöglicht es ihnen, bei Weltmeisterschaften unter ihrer eigenen Flagge anzutreten, was ein starkes Zeichen für ihre indigene Souveränität und kulturelle Identität darstellt.
Verfügen die Six Nations über eigene Pässe?
Ja, die Six Nations stellen eigene Haudenosaunee-Pässe aus, die von verschiedenen Staaten weltweit als gültige Reisedokumente anerkannt werden. Diese Pässe sind ein Ausdruck der indigenen Souveränität und des Rechts auf Selbstbestimmung der Haudenosaunee. Historisch wurden solche Pässe bereits im frühen 20. Jahrhundert verwendet, um die Rechte indigener Völker international zu vertreten. Die Praxis der Passausstellung und -nutzung verdeutlicht den anhaltenden Anspruch der Six Nations, als eigenständige politische Einheit wahrgenommen zu werden, und stärkt ihre kulturelle Identität im globalen Kontext.
Welche Rolle spielen die Six Nations in der modernen indigenen Bewegung?
Die Six Nations spielen eine wichtige Rolle in der modernen indigenen Bewegung, indem sie als Vorbild für die Bewahrung kultureller Identität, die Stärkung der Souveränität und den Kampf um Landrechte dienen. Ihre lange Geschichte der Selbstverwaltung und ihr „Großes Gesetz des Friedens“ inspirieren andere indigene Völker. Durch ihre diplomatischen Bemühungen, die Nutzung eigener Pässe und die internationale Präsenz ihres Lacrosse-Teams demonstrieren die Six Nations, dass indigene Souveränität auch im 21. Jahrhundert eine gelebte Realität ist. Sie setzen sich aktiv für die Rechte aller indigenen Völker ein und tragen zur globalen Diskussion über indigene Autonomie bei.
🏁 Fazit: Die Six Nations als lebendige indigene Konföderation
Die Six Nations der Haudenosaunee sind eine lebendige indigene Konföderation, die ihre kulturelle Identität und politische Souveränität aktiv in der modernen Welt behauptet. Ihre Präsenz in New York und Ontario, die Nutzung eigener Pässe und die internationale Anerkennung ihres Lacrosse-Teams sind klare Zeichen ihrer anhaltenden Bedeutung. Trotz geografischer und politischer Herausforderungen bewahren die Six Nations ihre Traditionen und setzen sich für die Rechte indigener Völker ein, was sie zu einem wichtigen Akteur in der globalen Diskussion um indigene Autonomie macht.
🌳 Über den Autor: Tobias Klamm – Redaktion · Indigene Gegenwart
Wer sich mit den Six Nations beschäftigt, stößt schnell auf die Frage, wie Tradition und moderne Souveränität zusammenwirken. Die Praxis eigener Pässe und ein internationales Lacrosse-Team sind hierfür exemplarische Beispiele, die über symbolische Gesten hinausgehen.
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