Die Newark Earthworks in Ohio stellen eine der beeindruckendsten archäologischen Stätten Nordamerikas dar und zeugen von der hochentwickelten Kultur der Hopewell. Diese gigantischen Erdwerke, vor über 2.000 Jahren von indigenen Völkern errichtet, faszinieren durch ihre Präzision und ihre astronomische Ausrichtung. Im Jahr 2023 wurden die Newark Earthworks als UNESCO-Welterbe anerkannt, was ihre globale Bedeutung als Meisterwerk der prähistorischen Ingenieurskunst und Kosmologie unterstreicht.
- Die Newark Earthworks wurden zwischen 100 und 500 n. Chr. von der Hopewell-Kultur erbaut.
- Sie sind die größte erhaltene Ansammlung geometrischer Erdwerke weltweit.
- Das Octagon Earthwork ist präzise auf die Mondwenden ausgerichtet.
- Der Great Circle Earthworks hat einen Durchmesser von 366 Metern.
- Die Stätte wurde im September 2023 zum UNESCO-Welterbe erklärt.
- Ein Teil der Newark Earthworks wird heute als Golfplatz genutzt.
Was sind die Newark Earthworks?

Die Newark Earthworks sind ein Komplex prähistorischer Erdwerke in Newark und Heath, Ohio, die von der indigenen Hopewell-Kultur zwischen 100 und 500 n. Chr. errichtet wurden. Sie gelten als die größte und komplexeste Ansammlung geometrischer Erdwerke weltweit und umfassen drei Hauptbereiche: den Great Circle Earthworks, das Octagon Earthwork und die Wright Earthworks. Diese großdimensionierten Strukturen, die einst ein Gebiet von über 4 Quadratkilometern bedeckten, dienten rituellen, sozialen und astronomischen Zwecken und spiegeln das fortgeschrittene Wissen und die Organisationsfähigkeit ihrer Erbauer wider. Die Newark Earthworks sind ein Zeugnis menschlichen kreativen Genies und seit 2023 ein UNESCO-Welterbe.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Erbauer | Hopewell-Kultur |
| Datierung | ca. 100–500 n. Chr. |
| Lage | Newark und Heath, Ohio, USA |
| Fläche (ursprünglich) | Über 4 Quadratkilometer |
| UNESCO-Welterbe | Seit September 2023 |
📜 Forschung und Einordnung

Die Newark Earthworks sind ein zentrales Forschungsobjekt der nordamerikanischen Archäologie, dessen Komplexität und Bedeutung kontinuierlich neu bewertet werden. Die Auseinandersetzung mit diesen Erdwerken beleuchtet sowohl die prähistorische Ingenieurskunst als auch die Herausforderungen des Umgangs mit indigenem Kulturerbe.
Die Forschung zu den Newark Earthworks konzentriert sich auf die präzise Vermessung, die archäoastronomische Analyse und die Einbindung indigener Perspektiven. Offene Fragen betreffen die genaue Funktion aller Teilanlagen und die Logistik der Errichtung dieser großdimensionierten Bauwerke. Die Anerkennung als UNESCO-Welterbe hat die internationale Aufmerksamkeit auf diese Stätte noch verstärkt.
Die Hopewell-Kultur und ihre Erbauer

Die Newark Earthworks wurden von der Hopewell-Kultur erbaut, einer komplexen indigenen Gesellschaft, die im östlichen Nordamerika zwischen etwa 100 v. Chr. und 500 n. Chr. blühte. Die Hopewell sind bekannt für ihre aufwendigen Erdwerke, ihre Fernhandelsnetzwerke, die sich über weite Teile des Kontinents erstreckten, und ihre kunstvollen Grabbeigaben. Sie handelten mit Obsidian aus den Rocky Mountains, Kupfer aus den Großen Seen und Muscheln vom Golf von Mexiko, was auf eine hochorganisierte Gesellschaft mit spezialisierten Handwerkern und weitreichenden sozialen Verbindungen hinweist. Die Errichtung der Newark Earthworks erforderte eine immense Koordination und Arbeitskraft, was auf eine starke soziale Hierarchie und gemeinsame rituelle Überzeugungen schließen lässt. Weitere Informationen zum Handelsnetzwerk finden Sie in unserem Artikel über die Hopewell: Großes Handelsnetzwerk im präkolumbischen Nordamerika.
Die Hopewell-Kultur war kein einzelnes „Reich“ im europäischen Sinne, sondern eher ein Netzwerk von eng verbundenen, aber autonomen Gruppen, die ähnliche rituelle Praktiken und materielle Kulturen teilten. Ihre Erdwerke dienten nicht nur als Begräbnisstätten, sondern auch als Zeremonialzentren für Versammlungen und Rituale, die möglicherweise den Jahreszeiten, astronomischen Ereignissen und der Verehrung der Ahnen gewidmet waren.
Octagon Earthwork: Astronomische Präzision
Das Octagon Earthwork ist der wohl beeindruckendste Teil der Newark Earthworks. Es besteht aus einem riesigen Achteck, das mit einem perfekten Kreis verbunden ist. Die Erbauer nutzten ein ausgeklügeltes geometrisches System, um diese Formen mit bemerkenswerter Präzision zu konstruieren. Die Seitenlänge des Achtecks beträgt etwa 150 Meter, und der gesamte Komplex erstreckt sich über eine Fläche von rund 20 Hektar. Die Wälle sind bis zu 3 Meter hoch und wurden aus Millionen Kubikmetern Erde errichtet.
Was das Octagon Earthwork besonders bemerkenswert macht, ist seine astronomische Ausrichtung. Es ist präzise auf die extremen Mondwenden ausgerichtet, die alle 18,6 Jahre auftreten. Diese Ausrichtung ermöglichte es den Hopewell-Priestern oder Astronomen, den Zyklus des Mondes genau zu verfolgen und wichtige rituelle Termine zu bestimmen. Die Genauigkeit dieser Ausrichtung ist vergleichbar mit der von Stonehenge und zeugt von einem tiefen Verständnis der Himmelsmechanik. Das Octagon Earthwork diente wahrscheinlich als eine Art Observatorium und Zeremonialplatz für Mondrituale, die für die Hopewell-Religion von zentraler Bedeutung waren.
Great Circle Earthworks und seine Funktion
Der Great Circle Earthworks ist ein weiterer großdimensionierter Teil der Newark Earthworks und befindet sich etwa 1,6 Kilometer südlich des Octagon Earthwork. Er hat einen beeindruckenden Durchmesser von 366 Metern und ist von einem 3 bis 6 Meter hohen Erdwall umgeben, der eine innere Grabenanlage umschließt. Ein einziger Eingang im Osten führt in den Kreis, der vermutlich als Zeremonialplatz für große Versammlungen und Rituale diente. Im Zentrum des Great Circle befindet sich ein großer, vogelähnlicher Mound, der als „Eagle Mound“ bekannt ist.
Die genaue Funktion des Great Circle Earthworks wird noch diskutiert. Es wird angenommen, dass er für öffentliche Zeremonien, Tänze und andere rituelle Aktivitäten genutzt wurde, die möglicherweise mit der Verehrung der Natur, der Ahnen oder der Fruchtbarkeit in Verbindung standen. Die Größe des Kreises deutet darauf hin, dass er für eine große Anzahl von Menschen konzipiert war und eine wichtige Rolle im sozialen und religiösen Leben der Hopewell spielte. Die Wright Earthworks, die heute nur noch in Fragmenten erhalten sind, waren eine weitere geometrische Anlage, die aus einem großen Quadrat bestand.
UNESCO-Welterbe und aktuelle Diskussionen
Im September 2023 wurden die Newark Earthworks zusammen mit anderen Hopewell Ceremonial Earthworks in Ohio in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Diese Anerkennung würdigt ihre universelle Bedeutung als Meisterwerke des menschlichen kreativen Genies und als Zeugnisse einer eigenständigen kulturellen Tradition. Die Welterbestatus-Erklärung ist das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen der Ohio History Connection, der Ohio State University und zahlreicher indigener Völker.
Trotz dieser Anerkennung gibt es weiterhin Diskussionen über die Nutzung und den Schutz der Stätte. Ein Teil des Octagon Earthwork wird seit über einem Jahrhundert als Golfplatz genutzt, was zu Spannungen mit indigenen Gruppen führt, die die Rückgabe der gesamten Stätte für kulturelle und spirituelle Zwecke fordern. Die Ohio History Connection hat sich für die volle Zugänglichkeit des Octagon Earthwork für die Öffentlichkeit und insbesondere für indigene Völker eingesetzt. Die Debatte um die Newark Earthworks spiegelt die breitere Diskussion über die Dekolonisierung archäologischer Stätten und die Rechte indigener Völker an ihrem Kulturerbe wider.
Die Newark Holy Stones: Ein archäologischer Betrug
Im 19. Jahrhundert wurden in der Nähe der Newark Earthworks die sogenannten „Newark Holy Stones“ entdeckt, eine Reihe von Steinen mit hebräischen Inschriften. Diese Funde wurden von einigen als Beweis dafür interpretiert, dass die „Moundbuilders“ (eine damals noch als mysteriös geltende Kultur) von den „Verlorenen Stämmen Israels“ abstammten. Diese Theorie war Teil einer größeren pseudoarchäologischen Bewegung, die die Fähigkeit indigener Völker, solch komplexe Bauwerke zu errichten, leugnete und stattdessen nicht-indigenen Völkern zuschrieb.
Spätere Untersuchungen und die Entdeckung ähnlicher Fälschungen zeigten jedoch, dass die Newark Holy Stones ein Betrug waren. Sie wurden absichtlich platziert, um eine bestimmte narrative Agenda zu unterstützen. Dieser Vorfall verdeutlicht die Notwendigkeit einer kritischen wissenschaftlichen Herangehensweise in der Archäologie und die Gefahr von Theorien, die von rassistischen oder kolonialistischen Vorurteilen geprägt sind. Die heutige Forschung erkennt die Hopewell-Kultur und andere indigene Völker als die alleinigen Erbauer der Erdwerke an.
🏁 Fazit: Die Newark Earthworks als Zeugnis indigener Ingenieurskunst
Die Newark Earthworks sind ein herausragendes Zeugnis der Hopewell-Kultur und ihrer beeindruckenden Fähigkeiten in den Bereichen Ingenieurwesen, Astronomie und Ritual. Ihre Anerkennung als UNESCO-Welterbe unterstreicht die globale Bedeutung dieser Stätte für das Verständnis der menschlichen Geschichte und der Vielfalt kultureller Errungenschaften. Die anhaltenden Diskussionen um ihren Schutz und ihre Zugänglichkeit erinnern uns daran, wie wichtig es ist, das Erbe indigener Völker zu respektieren und ihre Stimmen in der Forschung und Verwaltung dieser eigenständigen Monumente zu hören.
Wer hat die Newark Earthworks gebaut?
Die Newark Earthworks wurden von der indigenen Hopewell-Kultur errichtet. Diese Kultur blühte im östlichen Nordamerika zwischen etwa 100 v. Chr. und 500 n. Chr. und ist bekannt für ihre komplexen Erdwerke, weitläufigen Handelsnetzwerke und kunstvollen Grabbeigaben. Die Erbauer zeigten ein tiefes Verständnis für Geometrie, Astronomie und die Organisation großer Bauprojekte, um diese großdimensionierten Strukturen zu schaffen.
Was ist das Besondere am Octagon Earthwork der Newark Earthworks?
Das Octagon Earthwork ist besonders für seine präzise astronomische Ausrichtung auf die extremen Mondwenden bekannt, die alle 18,6 Jahre auftreten. Diese Ausrichtung, die mit der von Stonehenge vergleichbar ist, deutet auf ein hochentwickeltes astronomisches Wissen der Hopewell-Kultur hin. Es diente vermutlich als Observatorium und Zeremonialplatz für wichtige Mondrituale, die für ihre Religion von zentraler Bedeutung waren.
Sind die Newark Earthworks ein UNESCO-Welterbe?
Ja, die Newark Earthworks wurden im September 2023 zusammen mit anderen Hopewell Ceremonial Earthworks in Ohio in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Diese Anerkennung würdigt ihre universelle Bedeutung als Meisterwerke des menschlichen kreativen Genies und als Zeugnisse einer eigenständigen kulturellen Tradition, die über 2.000 Jahre alt ist.
Welche Rolle spielt der Golfplatz bei den Newark Earthworks?
Ein erheblicher Teil des Octagon Earthwork wird seit über einem Jahrhundert als Golfplatz genutzt. Dies führt zu anhaltenden Diskussionen und Spannungen, insbesondere mit indigenen Gruppen, die die Rückgabe der gesamten Stätte für kulturelle und spirituelle Zwecke fordern. Die Ohio History Connection setzt sich für die volle Zugänglichkeit des Octagon Earthwork für die Öffentlichkeit und indigene Völker ein, während der Betrieb des Golfplatzes weiterhin umstritten ist.
Was sind die Newark Holy Stones?
Die Newark Holy Stones waren eine Reihe von Steinen mit hebräischen Inschriften, die im 19. Jahrhundert in der Nähe der Newark Earthworks entdeckt wurden. Sie wurden als Beweis für die Abstammung der „Moundbuilders“ von den „Verlorenen Stämmen Israels“ interpretiert, erwiesen sich jedoch später als archäologischer Betrug. Dieser Vorfall ist ein Beispiel für pseudoarchäologische Theorien, die die Leistungen indigener Völker missachteten.
Quellen & Literatur
- Ohio History Connection: Newark Earthworks
- Wikipedia: Newark Earthworks
- UNESCO World Heritage Centre: Hopewell Ceremonial Earthworks
- Newark Earthworks Center | The Ohio State University
- World History Encyclopedia: Hopewell Culture
- Romain, William F. An Astronomical Survey of the Hopewell Earthworks. Ohio University Press, 2000.
🌳 Über den Autor: Tobias Klamm – Redaktion · Indigene Gegenwart
Wer sich mit den prähistorischen Kulturen Nordamerikas beschäftigt, stößt unweigerlich auf die großdimensionierten Erdwerke wie die Newark Earthworks. Die Auseinandersetzung mit der Hopewell-Kultur und der anhaltenden Debatte um die Nutzung des Geländes ist ein zentrales Thema der aktuellen Forschung und des Dialogs mit indigenen Völkern.
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