Reise & Stätten

Chichén Itzá

Die emblematische Maya-Stadt der späten Klassik mit der berühmten Pyramide des Kukulcán.

Antwort in Kürze

Chichén Itzá liegt im mexikanischen Bundesstaat Yucatán und war zwischen ca. 600 und 1200 n. Chr. eine der bedeutendsten Maya-Städte. Die UNESCO-Welterbestätte umfasst die berühmte Pyramide des Kukulcán (El Castillo), den größten Maya-Ballspielplatz Mesoamerikas und einen heiligen Cenote. Die Stadt verbindet klassische Maya-Architektur mit toltekischen Einflüssen aus Zentralmexiko.

Steckbrief

Land
Mexiko
Kultur
Maya (mit toltekischen Einflüssen)
Zeitstellung
ca. 600–1200 n. Chr.
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Weltkulturerbe seit 1988
Koordinaten
20.6843, -88.5678

Lage und Bedeutung

Chichén Itzá liegt im Norden der mexikanischen Halbinsel Yucatán, etwa 120 Kilometer östlich von Mérida. Der Name bedeutet auf Yukatekisch „Am Brunnen der Itzá“ und verweist auf den heiligen Cenote, eine kreisrunde Karstöffnung, die der Stadt jahrhundertelang Wasser und religiöse Bedeutung lieferte. Seit 1988 ist die Anlage UNESCO-Weltkulturerbe; seit 2007 zählt sie zu den „Neuen Sieben Weltwundern“.

Geschichte

Chichén Itzá wurde wahrscheinlich um 600 n. Chr. gegründet und entwickelte sich zwischen 800 und 1100 zur dominierenden Macht des nördlichen Maya-Tieflands. Die späte Phase der Stadt zeigt deutliche Einflüsse aus Zentralmexiko – manche Forscher sprachen früher von einer „toltekischen Eroberung“, heute geht die Mehrheitsmeinung von engen wirtschaftlichen und ideologischen Verbindungen aus, ohne militärische Übernahme. Spätestens im 13. Jahrhundert verlor Chichén Itzá seine Vormachtstellung; die spanischen Eroberer fanden eine weitgehend aufgegebene Stadt vor.

Architektonische Höhepunkte

El Castillo (Pyramide des Kukulcán)

Die zentrale Pyramide ist 24 Meter hoch und von vier Treppen flankiert, die in 91 Stufen zur Tempelplattform führen – mit der Plattform ergibt das 365, die Tage des Sonnenjahres. Zu den Tagundnachtgleichen erscheint durch Schatten- und Lichtspiel an einer der Treppen eine wandernde Schlangenform: ein eindrucksvolles astronomisches Bauwerk-Konzept.

Großes Ballspielfeld

Mit 168 Metern Länge ist es das größte Ballspielfeld Mesoamerikas. Reliefs an den Mauern zeigen rituelle Enthauptungs-Szenen und unterstreichen die religiöse Bedeutung des Spiels.

Heiliger Cenote

Der natürliche Brunnen, rund 60 Meter im Durchmesser, war Ort religiöser Opferhandlungen. Tauchunternehmungen seit dem 19. Jahrhundert haben tausende Objekte aus Gold, Jade und Keramik geborgen, ebenso menschliche Überreste.

Tempel der Krieger und Gruppe der Tausend Säulen

Architektonisch eindeutig zentralmexikanisch beeinflusst. Die Reliefs zeigen Krieger in toltekischer Tracht; der Chacmool-Stein vor dem Eingang ist ein direktes Zitat aus Tula.

Besuch

Chichén Itzá ist täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt liegt für ausländische Besucher bei rund 614 mexikanischen Pesos (ca. 32 Euro), bestehend aus Bundes- und Bundesstaaten-Anteil. Eine Lichtshow am Abend wird seit einiger Zeit nicht mehr regulär durchgeführt; aktuelle Angebote sollten vorab beim INAH oder über den jeweiligen Touranbieter geprüft werden.

Das Klima ist heiß und feucht. Sonnenschutz, ausreichend Wasser und festes Schuhwerk sind ratsam. Das Besteigen der Pyramiden ist seit 2006 untersagt – aus konservatorischen Gründen.

Quellen & Literatur

  • [{"text":"INAH – Zona Arqueológica de Chichén Itzá","url":"https://www.inah.gob.mx/"},{"text":"UNESCO World Heritage Centre – Pre-Hispanic City of Chichen-Itza","url":"https://whc.unesco.org/en/list/483"},{"text":"Cobos, "Chichén Itzá: archaeological perspectives" (FAMSI)","url":"http://www.famsi.org/"}]
Über die Autorin/den Autor

Lukas Reuter

Chefredaktion · Mesoamerika

Hobby-Mayanist und Lateinamerika-Reisender. Schreibt seit 2015 über Kulturen Mesoamerikas.

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