Redaktionelle Grundsätze
Die folgenden Grundsätze leiten unsere redaktionelle Arbeit. Sie sind verbindlich für alle vier Redaktionsmitglieder und werden bei strittigen Fällen herangezogen. Wir veröffentlichen sie aus Selbstverpflichtung gegenüber …
Die folgenden Grundsätze leiten unsere redaktionelle Arbeit. Sie sind verbindlich für alle vier Redaktionsmitglieder und werden bei strittigen Fällen herangezogen. Wir veröffentlichen sie aus Selbstverpflichtung gegenüber unseren Leserinnen und Lesern und in Übereinstimmung mit den Anforderungen, die Google in den Quality Rater Guidelines an „Wer hat den Inhalt erstellt?“ stellt (E-E-A-T: Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness).
1. Recherche-basierte Magazinredaktion
Wir sind kein universitäres Forschungsinstitut und keine indigene Selbstvertretungs-Organisation. Unsere Beiträge entstehen durch sorgfältige Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen: peer-reviewed Forschungsliteratur, Standardwerke der Altamerikanistik, offene Materialien anerkannter Museen und Forschungseinrichtungen, Veröffentlichungen indigener Selbstvertretungen und seriöser journalistischer Berichterstattung.
Was wir nicht tun: Wir geben uns nicht als Feldforscher aus. Wir behaupten keine Mitgliedschaft in indigenen Communities. Wir erfinden keine akademischen Titel oder Grabungsteilnahmen. Wenn ein Redaktionsmitglied tatsächlich an einem Ort gewesen ist, wird das als Reisebeobachtung kenntlich gemacht – und ausschließlich für solche Inhalte herangezogen, die sich mit reisebezogenen Beobachtungen decken (Gegebenheiten vor Ort, Praxis-Hinweise).
2. Quellenhierarchie
Wir arbeiten mit einer dreistufigen Quellenhierarchie. Höhere Stufen werden bevorzugt, niedrigere ergänzend genutzt.
Tier 1 – Primärquellen (immer bevorzugt)
- Peer-reviewed Fachjournale: Latin American Antiquity, Ancient Mesoamerica, Andean Past, Journal of Anthropological Archaeology, Nature, Science, PNAS
- Penn Museum Tikal Project Archive · FAMSI · UNESCO World Heritage Centre · INAH · NMAI/Smithsonian
- Indigene Selbstvertretungs-Organisationen: Hutukara Yanomami Association, APIB, Survival International, Cultural Survival, NCAI, ONIC
- Veröffentlichungen indigener Autorinnen und Autoren: Davi Kopenawa, Ailton Krenak, Sonia Guajajara, Robin Wall Kimmerer, Rigoberta Menchú, u.a.
- Etablierte Standardwerke: Coe, Sharer/Traxler, Martin/Grube, MacQuarrie, Townsend, Schele/Friedel, Mann („1491″/„1493″)
Tier 2 – Sekundärquellen (gut)
- Wikipedia (deutsche und englische Version, jeweils gegeneinander abgeglichen)
- Smarthistory · World History Encyclopedia · Atlas Obscura
- Forschungsbeiträge auf Academia.edu (mit Vorrang für peer-reviewed Originalpublikation)
- Publizistische Berichterstattung etablierter Medien zu indigener Gegenwart
Tier 3 – Ergänzungsquellen
- Reiseblogs (akzeptabel für Reise-Praxis-Informationen)
- Tripadvisor und vergleichbare User-Bewertungen (nur für Praxisinfos zu Stätten, etwa „aktuell begehbar / nicht begehbar“)
Was wir nicht zitieren
Pseudoarchäologische Veröffentlichungen werden nicht als Quelle herangezogen. Dazu zählen die Bücher Erich von Dänikens, Graham Hancocks Serie „Ancient Apocalypse“ und das gesamte Spektrum der „Ancient Aliens“-Sendungen. Wenn diese Inhalte in einem Artikel thematisiert werden, geschieht das ausschließlich in widerlegender Form mit Bezug auf die Stellungnahme der Society for American Archaeology (SAA).
3. Faktenprüfung
Vor Veröffentlichung jedes Artikels prüfen wir intern die folgenden Faktenkategorien:
- Datierungen mit Spannweite (nicht punktuell)
- Maße: Höhe, Größe, Volumen archäologischer Bauten (Wikipedia DE und EN gegeneinander abgleichen)
- Herrschernamen in korrekter Maya-, Quechua- oder Nahuatl-Schreibung
- Regierungszeiten als Spanne, mit Hinweis auf Forschungsdebatten
- Volks- und Sprachzuordnungen (etwa Ancestral Puebloans ≠ Navajo, Mexica ≠ Maya)
- Periodisierung (Klassik / Spätklassik / Postklassik etc.)
- Stelen-, Monument- und Lintel-Nummern (häufige Verwechslungsquelle)
- Geographische Zuordnung (Tikal in Petén/Guatemala, Palenque in Chiapas/Mexiko, Copán in Honduras)
- Aktueller Forschungsstand (gibt es eine Studie der letzten fünf Jahre, die etwas revidiert hat?)
- Indigene Selbstbezeichnungen, mindestens beim ersten Vorkommen (Diné statt nur Navajo, Haudenosaunee statt nur Iroquois)
4. Umgang mit Forschungs-Kontroversen
Wo die Forschung sich uneinig ist, machen wir das transparent. Beispiele:
- Die Datierung des klassischen Maya-Kollapses und seine Ursachen
- Die Frage, ob Yik’in Chan K’awiils Grab unter Tempel IV in Tikal liegt
- Die Bevölkerungsschätzungen für das vorkolumbianische Amerika (zwischen 50 und 100 Millionen)
- Die Zuordnung der Acre-Geoglyphen zu konkreten kulturellen Trägern
- Die Frage des Tipping Points der Amazonas-Entwaldung
Wir formulieren in solchen Fällen nicht „Forscher glauben…“, sondern: „A argumentiert für X (Quelle), während B die Position Y vertritt (Quelle). Der derzeitige Konsens neigt zu X / die Frage ist offen.“ Hypothesen werden im Konjunktiv gefasst.
5. Sensible Themen
Lebende indigene Gemeinschaften
Wir berichten über lebende indigene Gemeinschaften nicht als Folklore, nicht als „edle Wilde“ und nicht als verlorenes Paradies. Aktuelle Probleme – die Garimpeiros-Krise im Yanomami-Gebiet, MMIW (Missing and Murdered Indigenous Women) in Nordamerika, Landrechtskonflikte, Sprachverlust – werden konkret und mit Quellen indigener Stimmen benannt. Romantisierungen verbieten sich, ebenso pauschale Opferzuschreibungen.
Menschenopfer und kultische Gewalt
Menschenopfer sind in Mesoamerika und im Andenraum archäologisch und epigraphisch belegt – nüchtern, ohne Sensationalismus, aber auch ohne Verharmlosung. Wir vermeiden Begriffe wie „blutdurstig“ und „grausam“ als pauschale Charakterisierung von Kulturen. Vergleichbare zeitgenössische Praktiken anderer Weltgegenden (öffentliche Hinrichtungen, Inquisition, Hexenverbrennungen im Europa des 16./17. Jahrhunderts) werden zur Einordnung herangezogen, ohne damit Maya- oder Mexica-Praktiken zu rechtfertigen oder zu relativieren.
Internierungsschulen und Genozide
Bei der Berichterstattung über die U.S. Indian Boarding Schools (1879–1970er) und die kanadischen Residential Schools verwenden wir den von der kanadischen Truth and Reconciliation Commission (TRC) 2015 etablierten Begriff Cultural Genocide. Verharmlosungen als „Erziehungsprogramm“ lehnen wir ab. Aktuelle Massengrab-Funde (ab 2021, Kamloops und weitere) werden in den Berichten zum jeweiligen Stamm berücksichtigt.
Pseudo-Schamanismus und Plant-Medicine-Tourismus
Ayahuasca, Peyote und andere indigene rituelle Pflanzen werden im redaktionellen Kontext der jeweiligen Tradition behandelt, nicht als touristische Konsumware. Bei Berichten zu kommerziellem Plant-Medicine-Tourismus weisen wir auf die dokumentierten Risiken hin (sexueller Missbrauch, mangelnde medizinische Standards, Übernutzung der Banisteriopsis caapi-Liane).
6. Sprache und Tonalität
Wir schreiben in der Sie-Form, deutsche Standardrechtschreibung mit ß, sachlich-präzise. Wir verzichten auf Marketing-Floskeln. Eine kuratierte Liste verbotener Wendungen ist Teil unseres internen Stilhandbuchs; sie umfasst unter anderem „atemberaubend“, „monumental“, „ikonisch“, „Wahrzeichen“ (alle nur in begründeten Einzelfällen), „verlorene Hochkultur“, „rätselhafte Kultur“ und alle Pathos-Wendungen wie „in den Bann ziehen“ oder „unvergängliche Schönheit“.
7. Begrifflichkeiten
- Ancestral Puebloans statt „Anasazi“ (in der Forschung etablierte Korrektur seit den 2000er-Jahren; „Anasazi“ wird von heutigen Pueblo-Communities abgelehnt)
- Mexica als Eigenbezeichnung des aztekischen Hauptvolks; „Azteken“ als Sammelbegriff für die Tripel-Allianz akzeptabel
- Tawantinsuyu oder „Inka-Reich“ – nicht „Inka-Imperium“ (zu europäisch konnotiert)
- Diné, Haudenosaunee als indigene Selbstbezeichnungen mindestens beim ersten Vorkommen, dann ggf. bekanntere Bezeichnung in Klammern
- indigen, First Nations, Native American – konkrete Stamm-/Volksbezeichnung wenn bekannt; „Indianer“ wird im deutschen Sprachgebrauch nicht systematisch vermieden, aber zugunsten konkreter Bezeichnungen zurückgestellt
8. Korrekturen
Faktische Fehler korrigieren wir transparent. Bei substantiellen Korrekturen (verändert die Aussage des Beitrags) wird unter dem Artikel ein Korrektur-Hinweis mit Datum und betroffenem Inhalt eingefügt; der ursprüngliche Wortlaut wird, wo zumutbar, aus dem Beitrag entfernt. Marginalia (Tippfehler, Linkkorrekturen) werden ohne Vermerk korrigiert.
Hinweise auf Faktenfehler bitte an redaktion@iae-bonn.de oder über das Kontaktformular.
9. KI-Einsatz und Transparenz
Wir setzen für die Erstellung unserer Inhalte auch sprachmodellbasierte Werkzeuge (Google Gemini API) ein. Jeder so vorbereitete Beitrag durchläuft anschließend mehrere automatisierte Qualitätsprüfungen (Faktenabgleich gegen kuratierte Datenbestände, Quellenverifikation, Stil-Konsistenz, Plausibilität numerischer Angaben) sowie eine redaktionelle Endkontrolle vor Veröffentlichung. Inhaltlich verantwortlich bleibt in jedem Fall die zugewiesene Redakteurin oder der zugewiesene Redakteur.
Wir kennzeichnen einzelne Beiträge nicht zusätzlich als „KI-unterstützt“, weil dies für unseren gesamten Workflow gilt. Diese Grundsätze-Seite ersetzt eine Beitragsetikettierung. Wir orientieren uns an den Empfehlungen des Reuters Institute for the Study of Journalism zu generativer KI im Journalismus.
10. Werbung und Affiliate-Links
Inhaltlich relevante Affiliate-Links (etwa zu Buchausgaben der Standardliteratur) werden als solche gekennzeichnet, mit dem Attribut rel="sponsored" ausgegeben und für die redaktionelle Aussage des Beitrags nicht entscheidend gemacht. Es findet keine Beeinflussung redaktioneller Inhalte durch Werbeauftraggeber statt.
